Gastbeitrag – Kompressionstherapie (Teil IV)

Hallo liebe Leser/innen,

schön, dass ihr den Weg wieder zu uns gefunden habt. Nun geht es weiter mit der Frage, welche Funktion die #Kompressionstherapie bzw. der Kompressionsstrumpf hat? Im Text werden euch gleich zwei Begriffe wie „distal“ und „proximal“ begegnen. Vor ab wollen wir euch die beiden Begriffe erläutern: Distal bedeutet „vom Herzen entfernt liegend oder weiter von der Körpermitte entfernt“. Proximal bedeutet das Gegenteil, nämlich „der Körpermitte zu gelegen“. Die beiden Begriffe beschreiben somit Richtungen im Bezug auf Körperregionen.

Die Kompressionsstrümpfe erfüllen die medizinischen Erfordernisse für die Therapie. Dabei nimmt der Druck konstant von distal nach proximal ab. Das bedeutet nun, dass der Druck von dem Knöchel zum Oberschenkel immer niedriger wird. Schlussfolgernd ist der Druck am Knöchel-/ Fußbereich immer am stärksten. Nun könnte die Frage auftreten, wieso der Druck dort am stärksten sein muss. Das lässt sich auch ganz logisch erläutern. Steht ein Mensch, ist der Druck auf den Venen distal am größten, sprich Knöchel-/ Fußbereich. Somit muss der Druck des Kompressionsstrumpfes dort am höchsten sein. Vielleicht haben einige von euch schon von den verschiedenen Kompressionsklassen gehört. Diese könnt ihr im Etikett sehen (CCL I bis CCL IV).

In Verbindung einer #Kompressionstherapie ist die #Thrombose auch sehr wichtig zu kennen. Was ist eine #Thrombose? Hierbei handelt es sich um eine Gefäßerkrankung, bei der sich ein Thrombus (Blutgerinnsel) in einem Blutgefäß bildet. Es wird unterschieden in Venenthrombose, Phlebothrombose und einer tiefen Beinvenenthrombose. Ein Thrombus entsteht durch Blutgerinnung. Verklumpt sich das Blut, hindert es den Blutstrom im Gefäß. Es kann zu einer #Thrombose (Verschluss des Gefäßes) oder einer Embolie (der Thrombus bewegt sich und wird dann Embolus genannt und verstopft dann meist kleiner Blutgefäße wie z.B. Koronararterien) kommen. In diesem Zusammenhang ist das Virchowsche Trias von Bedeutung, die zugleich auch die Ursache einer Entstehung sind:

  1. Änderung der Blutzusammensetzung → z.B. durch Dehydration, Gerinnungsstörungen
  2. Herabgesetzte Blutströmungsgeschwindigkeit → Gründe: erweiterte Venen, Immobilität, langes Sitzen
  3. Schäden der inneren Gefäßwände → durch Operationen oder Erkrankungen wie Diabetes Mellitus, welche die Gefäßwände schädigen können

Risikofaktoren einer #Thrombose sind z.B.:

  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Flüssigkeitsmangel (Exsikkose)

Indikation einer #Kompressionstherapie:

  • Lymphödeme
  • Varikose
  • Ulcus Cruis venosum
  • tiefe Beinvenenthrombose
  • nach #Operationen

Kontraindikationen einer #Kompressionstherapie:

  • fortgeschrittene periphere arterielle Verschlußkrankheit (PavK)
  • dekompensierte Herzinsuffizienz
  • schwere Sensibilitätsstörungen der unteren Extremitäten
  • fortgeschrittene periphere Neuropathien (z.B. durch Diabetes mellitus)

Habt ihr dazu noch Fragen? Dann schreibt uns gerne an!

Bis bald,Maike und Insa

Gastbeitrag – Kompressionstherapie (Teil III)

Hallo liebe Leser, liebe Kollegen, liebe Schüler,

habt ihr letzte Woche fleißig geübt? #ÜbungmachtdenMeister. Heute geht es weiter mit dem Hintergrundwissen.
Was passiert dort überhaupt in den Beinen?
Nun erfahrt ihr heute mehr über das #Venensystem und #Ödeme. Gar nicht so kompliziert. 

Ihr müsst euch vorstellen, dass die Beinvenen für den Rückfluss des Blutes zum #Herzen sorgen. In den Venen befinden sich Venenklappen, die dafür sorgen, dass das Blut nur in eine Richtung fließen kann. Wenn wir uns wenig bewegen oder viel sitzen, belastet das unser #Venensystem. Warum? Weil die Muskelvenenpumpe in den Waden durch Kontraktion der Muskeln den Abtransport des Blutes zum #Herzen unterstützt. Bei wenig Bewegung oder viel sitzen arbeiten diese Muskeln nicht und können nicht unterstützend wirken. Die Folge ist, dass sich die Beinvenen ausdehnen und sich die Venenklappen nicht mehr korrekt verschließen. Und was passiert dann? Richtig, die Beine schwellen an, welches oft sichtbar durch einschneidende Socken ist. Wird das nicht frühzeitig behandelt, können sich Krampfadern oder im schlimmsten Fall „offene Beine“ entwickeln – in der Fachsprache nennen wir das Ulcus cruris.

Bei dem Foto handelt es sich um eine eigene Darstellung zur Verdeutlichung der Muskelvenenpumpe. Auf dem oberen Bild sieht man den Muskel am Gefäß anliegen. Bei dem unteren Bild wird sofort sichtbar, dass der Muskel das Gefäß zusammendrückt und somit den Blutstrom proximal fördert. Dies wird durch einfache Thromboseprophylaxe erreicht.

Eine Schwellung wird #Ödem genannt. Bei diesem Ödem sammelt sich Flüssigkeit im umliegenden Gewebe an. Und wie kommt es nun dazu? Das liegt an dem steigenden #Druck in den kleinen #Blutgefäßen. Dadurch kann Flüssigkeit in das umliegende Gewebe gepresst werden. Und da die Schwerkraft alles nach unten zieht, entstehen die #Ödeme typischerweise an den unteren Extremitäten. Wie erkennt ihr ein #Ödem? Oftmals kann die Schwellung weggedrückt werden. Soll heißen, dass der Fingerabdruck zu sehen ist. Soviel zum #Venensystem und den #Ödemen.

Nächste Woche geht es dann weiter mit der Frage: „Welche Funktion hat die #Kompressionstherapie?“ 

Ihr solltet euch jetzt vorstellen können, wie das #Venensystem in etwa funktioniert und wie ein #Ödem entsteht. Beobachtet es in der #Praxis und macht eure #Erfahrungen. 

Wir verabschieden uns bis nächste Woche, 

Maike und Insa

Gastbeitrag – Kompressionstherapie (Teil II)

Ein fröhliches „Hallo“ an alle!

Schön, dass ihr wieder zu uns gefunden habt. Euch erwartet jetzt die Vorstellung von einer Frau, die eine Kompressionstherapie erhält. Der Name wird anonymisiert.

Frau Bauer ist 84 Jahre alt und wohnt alleine in einem Mehrfamilienhaus. Sie pflegt ihre sozialen Kontakte und geht mit dem Rollator regelmäßig spazieren. Vom #Pflegedienst erhält sie täglich Hilfe beim An- und Ausziehen der Kompressionsstrümpfe CCL II. Frau Bauer hat Lymphödeme in den Beinen und Varikosen in den unteren Extremitäten diagnostiziert. Auf Grund dessen erhält sie die #Kompressionstherapie. Sie erhält Kompressionsstrümpfe, die fast bis zur Leiste reichen. Manche Modelle gehen nur bis zum Knie und das Material unterscheidet sich ebenfalls. Ihr seht jetzt Fotos von dem Kompressionsstrumpf und ein wenig von dem Vorgang, wie dieser angezogen werden kann. Natürlich gibt es dort verschiedene Methoden und Techniken. Also wie ihr hier schon erkennen könnt, ganz so einfach ist das nicht, wie das immer aussieht. 

Bevor jemand Kompressionsstrümpfe erhält, wird das Bein ausgemessen und der Strumpf im Sanitätshaus hergestellt. Die #Pflegefachkräfte beraten über Thromboseprophylaxe, Handhabung, Wichtigkeit der Therapie und der Entstauung der Beinvenen.

Zur Vorbereitung werden die Kompressionsstrümpfe benötigt. Vor und nach der Behandlung folgt jedes Mal eine #Händedesinfektion. Weiterhin ein Sitzplatz für die Person, die den Strumpf erhält. Die Beine sollten vorher ca. 20 min hochgelagert sein, damit die Beinvenen entstaut sind. Die Durchführung wird per Fotodokumentation beschrieben. Für die Nachbereitung ist es wichtig, ob sich die Person darin wohlfühlt. Sitzt es eventuell irgendwo zu fest? Sind Falten sichtbar? Falten können zu viel Druck auf ein Hautareal ausüben und dies kann einen Dekubitus zur Folge haben. Dafür ein kleiner Tipp: #Kommunikation. Redet mit den Menschen und fragt, ob es angenehm sitzt – sie können es dir am besten sagen! 

Auf dem ersten Foto könnt ihr den Kompressionsstrumpf sehen. Wie ihr erkennen könnt, ist dieser auf links gedreht.

Ich greife von oben in den Kompressionsstrumpf rein und ziehe die Fußspitze bis zur Ferse hinein. Auf dem nächsten Foto könnt ihr das erkennen.

Dann wird mit beiden Händen rechts und links die Ferse auseinander gezogen und über den Fußrücken gestülpt. Das sieht erstmal so aus:

Das Ende vom Kompressionsstrumpf, welches später am Oberschenkel sitzt, wird über die Ferse hinten geschoben. Dann wird immer von innen des Strumpfes proximal geschoben. Wichtig: Es wird nicht über die Haut gezogen! Die Ferse muss genau in die davorliegende Rundung liegen. Der Stoff über den Zehen sollte locker aufliegen.

Angezogen sieht das Ganze dann so aus: Am linken Bein ist erkennbar, dass der Kompressionsstrumpf noch nicht bis nach ganz oben gezogen ist. Wichtig: Gehen die Kompressionsstrümpfe, z.B. bis zum Knie müssen zwei Finger breit Abstand gehalten werden – es könnte sonst drücken.

Jetzt wisst ihr schon mit welcher Technik Kompressionsstrümpfe angezogen werden können. Diese Technik orientiert sich ebenfalls an den Standard dafür. 
Wir verabschieden uns mit einem: „Viel Spaß beim Ausprobieren“.

Unser nächster Blog-Eintrag behandelt das Venensystem. Dies ist wichtig als Hintergrundwissen, freut euch drauf.

Bis nächste Woche! 
Maike und Insa