Gastbeitrag III

Hallo alle zusammen,

in den nächsten Einträgen werden wir unsere Tagesabläufe vorstellen. Der heutige Eintrag veranschaulicht einen Frühdienst auf einer internistischen Kardiostation, auf der Patienten zusätzlich über die Telemetrie überwacht werden können. Zur Erklärung: Eine Telemetrie ist wie ein kleines EKG, welches die Herzfunktion überwacht und dies ist auf einem Monitor im Dienstzimmer zu sehen. Um bei Auffälligkeiten direkt informiert
zu werden, trägt eine Pflegekraft einen Pager bei sich. Der Pager meldet sich bei hohen bzw. niedrigen Herzfrequenzen, beim Lösen der Elektroden, bei Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall bei einer Asystolie, also dem Herzstillstand. Auf der Station können 42 Patienten liegen.

Um 6 Uhr morgens beginnt mein Dienst. Die Station wird in drei Bereiche aufgeteilt und ich höre mir die Übergabe an. Danach bereite ich meinen Wagen für den morgendlichen Durchgang vor. Ab 6:30 Uhr gehe ich durch die Zimmer und messe Vitalzeichen. Zu diesen gehören Blutdruck, Puls, Temperatur, Sauerstoffsättigung und Blutzuckerwerte. Diese sind ein wichtiger Bestandteil der Krankenbeobachtung. Bereits kleinste Veränderungen der Vitalparameter können auf eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands hinweisen, dem dann schnellstmöglich entgegengearbeitet werden muss. Des Weiteren verteile
ich die Medikamente, hänge Infusionen an, nehme Blut ab, wiege Patienten und bereite Patienten auf Untersuchungen vor (z.B. Herzkatheteruntersuchung, Kardioversion). An diesem Morgen habe ich den Pager übernommen und musste meinen Durchgang öfter unterbrechen, um verschiedenen Alarmen nachzugehen.

Danach wird mit allen Pflegefachkräften zusammen das Frühstück verteilt, wobei die Patienten an der Bettkante oder am Tisch richtig aufgesetzt bzw. mobilisiert werden. Je nach Hilfebedarf wird das Essen vorbereitet oder angereicht.

Nachdem das Frühstück abgeräumt wurde, beginnt die Körperpflege. Diese ist wieder auf den Hilfebedarf der Patienten abgestimmt. Manche benötigen nur eine Hilfestellung in der Waschecke für den Intimbereich und die unteren Extremitäten, andere liegen im Bett und können sich nicht selbst bewegen und müssen daher von zwei Pflegefachkräften versorgt werden. Danach erfolgt die Lagerung dieser Patienten, um ein Druckgeschwür zu vermeiden.

Wenn die Grundpflege nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt, versuche ich an der Visite teilzunehmen, um mehr über meine Patienten zu erfahren und um im Austausch mit dem Arzt zu stehen (um Fragen und das weitere Vorgehen zu besprechen). Oft kann ich nicht durchgehend dabei sein, weil entweder der Pager Alarme von sich gibt, die Klingel abgelaufen werden muss oder Kollegen meine Hilfe benötigen.

Vor dem Mittagessen muss bei den Diabetikern der Blutzucker gemessen und ggf. Insulin gespritzt werden. Dann wird das Essen verteilt. Oft müssen in dieser Zeit die ersten Patienten von den Untersuchungen abgeholt werden. Danach wird eine Checkliste zum Messen der Vitalzeichen angelegt und die Kurve wird ausgearbeitet.

Die Visite ist ab diesem Zeitpunkt fertig und muss ausgearbeitet werden. Dabei muss ich mich sehr beeilen, weil die immobilen Patienten gelagert werden müssen und die Spätschicht bald auf der Matte steht. Dieser möchte man auch nicht zusätzlich Arbeit überlassen. Die Mittagszeit ist am stressigsten. Alles passiert auf einmal und die Zeit rennt einem davon, oftmals kommen noch neue Zugänge aus der Notaufnahme, um das Chaos perfekt zu machen.

Wenn alles erledigt ist, wird die Dokumentation in die Kurven geschrieben.
Die Dokumentation aller pflegerischen Maßnahmen ist sehr wichtig, weil jede Pflegefachkraft so den Pflegeprozess nachvollziehen kann und erkennt, welche Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes geführt haben. Die Datenerfassung erleichtert nicht nur die Planung der Pflegemaßnahmen, sondern auch die Arbeit der behandelnden Mediziner oder Therapeuten. Außerdem dient die Pflegedokumentation der juristischen Absicherung der Pflegefachkräfte. Danach erfolgt
die Übergabe an den Spätdienst. Der Pager wird an die nächste Person
übergeben. Mit ganz viel Glück kann ich um 14 Uhr pünktlich in die Umkleide gehen.

#pflegegehtunsallean,

Lara

Gastbeitrag Teil II

Attraktivität Pflege?!

In unserem heutigen Blogbeitrag stellen wir uns die Frage:
Wie bleibt Pflege attraktiv oder besser gesagt, wie wird sie wieder attraktiver, um dem Pflegenotstand entgegenzuwirken?

Wir alle wissen, dass das Bild der Pflege, so wie es nach außen getragen wird, leider nicht sehr schön oder attraktiv ist. Es gibt besser bezahlte Berufe mit weniger körperlicher Arbeit und weniger psychischer Belastung.
Fragen wir jetzt allerdings Pflegefachkräfte, die täglich im Pflegealltag tätig sind, dann wird deutlich, dass es wie in jedem Beruf ist. Es zeigen sich gute und schlechte sowie stressige und entspannte Tage.
Am Ende ist dann nur wichtig, dass Lösungsansätze existieren, wie man die schlechten Tage besser gestaltet oder die stressigen Tage entspannter.
Ganz oben steht bei solchen Ansätzen immer die Autonomie im beruflichen Handeln. Dafür ist es von Bedeutung, dass Vorgesetzte in ihren Führungsaufgaben für problemlösungsorientierte Unterstützung sorgen.
Es ist außerdem wichtig, dass ein gutes soziales Klima herrscht und es einen guten organisierten Zusammenhalt in allen Bereichen der Zusammenarbeit gibt. Leichter gesagt, aber auch besonders wichtig. Und worüber wir als Pflegefachkräfte oft schmunzeln im Moment, ist die Tatsache, dass eine Überbelastung vermieden werden soll.
Wir als Pflegefachkräfte streben stetig die Chance zur beruflichen Entwicklung an, um unsere Arbeit so genau wie möglich mit dem neusten Stand der Wissenschaft und mit dem größtmöglichen Wohlbefinden jedes Patienten zu erfüllen. Dabei darf nur nicht vergessen werden, dass neben dem Beruf noch Familie und Freizeit existieren, die unter keinen Umständen zu kurz kommen dürfen. Eine vernünftige Work-Life-Balance ist da gefordert.

Diese ganzen Lösungsansätze klingen jetzt echt super, wenn man sie liest und man denkt sich, dass das doch nicht schwer umzusetzen sein kann. Doch dazu müssen wir einmal kurz etwas klarstellen:
In den Medien sehen wir häufig genau das Gegenteil. Eine Pflegefachkraft hat sich mittlerweile um mindestens 13 Patienten zu kümmern in ungefähr acht Stunden mit einer halben Stunde Pause. Im Nachtdienst sind es sogar bis zu 35 Patienten, die alleine von einer Pflegefachkraft versorgt werden müssen, da sie die Schicht als Einzige betreut.
Kommen wir mit diesen Bedingungen also einfach zu den Lösungsansätzen? Nein!

Gegenfrage: Was sind also jetzt die wichtigsten Veränderungen, die durchgeführt werden müssen, dass wir näher an die Lösungsansätze kommen? (Wir zählen diese einfach mal wertungsfrei auf)

  • Erhöhung des Personalschlüssels
  • Erhöhung der Löhne
  • strukturelle Verbesserungen für die Vereinbarung von Familie und Beruf

Gehen wir noch einmal auf den Punkt des vorherigen Blogposts der professionellen Pflege ein und verbinden diese mit einem modernen Pflegeverständnis. So denken wir, dass wir da einen Teil der Lösung darin finden können.

Es wird sich an wissenschaftlichen Grundlagen orientiert und es ist außerdem ein ressourcenerhaltendes/ gesundheitsförderndes/ präventives System, wonach professionelle Pflege ausgerichtet ist. Berücksichtigt dabei werden die Punkte Autonomie und Selbstbestimmtheit des Einzelnen, Kooperation und Vernetzung mit anderen Berufsgruppen. Es kommt zur Unterstützung durch flexible, bedarfs- und bedürfnisgerechte Angebote in der Lebensführung des Menschen.

Was treibt professionelle Pflege jetzt an?

Es muss die Mehrdimensionalität, wie sie im letzten Blogpost erklärt wurde, anerkannt werden und es müssen klare Regelungen der Verantwortlichkeit, der rechtlichen Grundlagen und der Autonomie geschaffen werden. Diese Regelungen finden dabei allerdings nicht nur in der Pflege selbst statt, sondern auch auf ganzen anderen Ebenen, wie der Politik und Wirtschaft.

„Was auch immer die Zukunft der Pflege bereithält, ich wünsche mir, dass das Bild der sich aufopfernden Pflegerin nicht mehr Teil davon ist. Denn Pflege ist keine Wohltätigkeit, bei der wir in Kauf nehmen, dass sie uns ruiniert. Finanziell, körperlich und sozial. Pflege ist ein wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung, der früher oder später uns alle angeht.“ (Beatrice Haberger, http://www.jetzt.de/job/unterschaetzter-beruf-krankenpflegerin, Zugriff am 21.03.2019)

Wir sind uns alle drei recht schnell einig gewesen, dass es zu einem Umdenken auf sämtlichen Ebenen kommen muss, damit die Attraktivität der Pflege gesichert ist. Es ist ein schöner Beruf und wir drei sind trotz der recht harten Arbeitsbedingungen froh, dass wir in diesem Beruf arbeiten. Denn was wir nicht vergessen dürfen: #pflegegehtunsallean!

Mit einem Lächeln an euch,
Lara, Maria und Laura 🙂

Gastbeitrag – Kompressionstherapie (Teil I)

„Kompressionsstrümpfe anziehen – dafür wird #Pflege benötigt?“

Hallo liebe Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Studierende,

wer sind wir? Wir sind Maike und Insa, beide Anfang zwanzig. Unsere Ausbildung zur examinierten #Altenpflegerin haben wir erfolgreich absolviert. Gereicht hat uns das aber nicht. Wir wollten mehr über die Hintergründe und Abläufe erfahren. Wieso ist das Gesundheitssystem so? Wie sind die Strukturen? Aus diesem Grunde haben wir beide 2017 unser #Studium „Angewandte Pflegewissenschaften“  an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfsburg begonnen. Derzeit befinden wir uns im 4. Semester. Nun fragt ihr euch sicherlich, wozu dieser Blog? Das wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat ein Video veröffentlicht, um für den #Pflegeberuf zu werben. Leider wird der #Pflegeberuf häufig falsch oder übertrieben dargestellt. Denn #Pflege ist mehr und #Pflege kann nicht jeder. #Pflege ist auch keine „Aufopferung“ oder „Herzensangelegenheit“. Natürlich wird der #Beruf mit Herz ausgeübt, dennoch ist es nicht unser Leben, sondern unsere Arbeit. #Pflege ist eine Profession.

Nun haben wir uns im Rahmen unseres Moduls „Geriatrische Pflege“ überlegt, euch zu zeigen, dass #Pflege viel mehr ist. Viel mehr als Körperpflege („Waschen“), Essen anreichen, Betreuung und „das kann doch jeder“. Wir stellen euch die medizinische Behandlungspflege als ein Teil der #professionellen Pflege vor. Es wird sich hier speziell auf die Kompressionstherapie beschränkt, die wir im #Pflegealltag aus Erfahrung am häufigsten antreffen. 

Unsere medizinische Versorgung wird praxisnah beschrieben. Der Bewohner wird mit seiner Anamnese vorgestellt. Dazu werden Vor- und Nachbereitung beschrieben und die Durchführung der Tätigkeit. Dies orientiert sich an Leitlinien und Standards in der #Pflege, die evidenzbasiert sind. Wenn ihr denkt, dass es nur „Strümpfe“ anziehen ist oder Kompressionsverband anlegen, dann irrt ihr euch gewaltig. Wir zeigen euch auf, welches Wissen dahinter steckt und worauf eine #Pflegekraft jedes Mal achtet.

Nun, viel Spaß beim Lesen!

Eure Maike und Insa