Ein Frühdienst in der Unfallchirurgie

Gastbeitrag Teil IV

5 Uhr morgens, mein Wecker klingelt – der Frühdienst ruft.
Eine Stunde später sitze ich, wenn alles gut läuft und sich niemand krankgemeldet
hat, mit drei weiteren Kollegen bereits am Tisch – startklar für die Übergabe von
zwei Nachtdienstkollegen.
Nachdem ich mir ca. 30min alle neuen und wichtigen Details der Patienten angehört
habe, fällt die obligatorische Frage: „Wie teilen wir uns auf?“ Unsere Station, die für
insgesamt 34 Patienten ausgelegt ist, wird in zwei Bereiche geteilt. Zwei Kollegen
jeweils für einen Bereich à 17 Patienten. Nur leider gehört diese optimale Aufteilung
nicht zum Alltag. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen wäre eine 1:8
Betreuung optimal.
Zunächst steht auf dem Plan, ggf. Infusionen vorzubereiten und die Prä-
Medikation der Patienten für die anstehenden Operationen mitzunehmen. Blutdruck- und Blutzuckermessgerät, ein Telefon und natürlich ganz wichtig die Kurven dürfen auf meinem Wagen für die erste Runde nicht fehlen.
Gestartet wird meistens in den Zimmern, in denen Operationen bei Patienten
anstehen. Sie haben oberste Priorität, da jederzeit der OP anrufen könnte und die
geplanten Patienten abruft. Dann muss alles zügig gehen, aber dazu im Folgenden
mehr.
Zunächst werden die Vitalzeichen (Blutdruck, Puls und Temperatur) ermittelt und die Schmerzstärke der Patienten erfragt. Dies ist wichtig, um morgens einen ersten
Eindruck über den Allgemeinzustand des Patienten zu erhalten und ggf.
Komplikationen zu erkennen. Bei Patienten mit Diabetes wird der Blutzucker
gemessen.

Eine meiner Patienten an diesem Tag ist eine 78 Jahre alte Frau, mit
Oberschenkelhalsfraktur rechts. Sie hat heute ihre OP. Da sie nicht aufstehen kann,
stelle ich eine Waschschüssel an ihr Bett und unterstütze sie bei der Körperpflege.
Außerdem muss ich das Bett komplett neu beziehen, das ist eine Arbeitsanweisung
vor Operationen. Jede Bewegung, die ich mit ihr durchführe, schmerzt ihr
sehr. Ich bitte sie das OP-Hemd anzuziehen, lege die Haube unter das Kopfkissen
und fordere sie auf, Schmuck oder Zahnprothesen zu entfernen und weise sie
darauf hin ihre Medikamente an diesem Morgen lediglich mit einem kleinen Schluck
Wasser einzunehmen, da die Patienten nüchtern zur OP erscheinen müssen.
In dem Vierbett-Zimmer liegt außerdem eine dementiell erkrankte Dame mit einer Schädelprellung unter ASS und einer Kopfplatzwunde. Sie möchte ständig das Bett verlassen und kann nicht verstehen, dass sie nicht alleine aufstehen soll. Ich muss, während ich die anderen Patientinnen im Zimmer versorge, immer ein Auge auf sie haben. Bei der Versorgung der dementiell erkrankten Patientin ist zu beachten, dass ich eine Vigilanzkontrolle durchführe. Das heißt die Pupillenreaktion genau zu überprüfen. Dadurch können Blutungen im Gehirn erkannt werden. Des Weiteren zählt dazu den Bewusstseinszustand der Patientin wahrzunehmen und evtl.
Wesensveränderungen oder Eintrübungen festzustellen.
Ich begleite sie danach an das Waschbecken und gebe ihr Anleitung und
Hilfestellungen für die Körperpflege, dabei ist besonders Feinfühligkeit und Empathie gefragt. Danach begleite ich sie wieder zurück ins Bett und führe einen
Verbandswechsel der Kopfplatzwunde durch, dabei reinige ich die Wunde mit einem
Hautdesinfektionsmittel. Dies toleriert die Patientin kaum, das bedeutet für mich –
erhöhter Schwierigkeitsgrad sauber zu arbeiten.

Frühstück gibt es für die Patienten ca. 7:30 Uhr, dieses wird in der Woche von einer
Versorgungsassistentin ausgeteilt. Bis dahin muss ich bei allen Patienten auf meiner
Seite der Station Blutzucker gemessen haben und schauen wer, wie viel Insulin
bekommt.
Bevor das Frühstück ausgeteilt wird, habe ich es mit meiner Kollegin geschafft, 1- 2
Zimmer zu versorgen – sprich Körperpflege, Vitalzeichen messen, ggf.
weniger aufwendige Verbandswechsel durchführen und die Mobilisation für das
Frühstück.
Falls notwendig, ist es unsere Aufgabe Essen bei nicht selbstständigen Patienten
anzureichen.
8:00 Uhr, das Telefon klingelt, die OP Schleuse ruft meine 78 -jährige Patientin ab. Die
Patienten müssen wir selbst einschleusen, das machen wir zu zweit. Die Akte und die
Kurve der Patientin müssen mitgenommen werden. Ein letzter Blick, ob die OP-Aufklärungen vorhanden sind – Check! Jetzt muss es zügig gehen.
Während meine Kollegin das Bett vom Strom löst und alles zur Abfahrt vorbereitet,
erhält die Patientin ihre verordnete Prä-Medikation von mir sowie die OP-Haube.
Samt Bett fahren wir dann zur Schleuse und gemeinsam mit dem OP-Team wird
eingeschleust. Ein kleiner Mut-Zuspruch für die Patientin sollte bei den zügigen
Arbeitsabläufen nicht verloren gehen. Rasch geht es dann wieder auf die Station
nach oben.

Zeitgleich findet die Visite statt, die entweder von der Stationsleitung oder der
Schichtführung begleitet wird.
Während die Patienten frühstücken, dokumentieren wir schon die ersten Maßnahmen im Pflegebericht und die Kollegin, die die Visite begleitet hat, informiert uns über die weitere Versorgung der Patienten oder neue Anordnungen.
Meistens wird dann direkt angefangen ein paar Anordnungen auszuarbeiten.
Und dann knurrt auch so langsam der eigene Magen. Einer von uns bereitet frischen
Kaffee zu und deckt den Tisch, sodass wir gegen 9:00 Uhr endlich etwas essen
können. In der halben Stunde Pause wechseln wir uns ab, wer zur Klingel geht oder
wenn das Telefon klingelt. Und je nach Tagesform kann aus der 30-minütigen Pause
auch eine 15-Minütige werden.
Während wir essen, kommen auch unsere Physiotherapeuten auf die Station. Mit
ihnen müssen wir uns absprechen, sodass wir uns nicht gegenseitig bei der Arbeit
behindern.

In der 2. Runde werden die restlichen Zimmer versorgt. Es ist darauf zu achten, dass
alle Patienten ihre Morgenmedikation genommen haben. Außerdem fallen auch
Tätigkeiten an wie, Redon-Drainagen, die vorübergehend im OP-Gebiet belassen
wurden, zu ziehen, Blut abzunehmen, Fixateurpflege durchzuführen oder Patienten
zur Toilette zu begleiten.
Zwischendurch finden natürlich auch Angehörigengespräche oder ein Austausch mit
unserer Sozialarbeiterin statt.
Der Frühdienst neigt sich dem Mittag zu, Blutzucker messen steht erneut auf dem
Programm und natürlich wieder die Mobilisation der Patienten. Das Mittagessen
müssen wir nun selbst austeilen.

Erneut wird sich an die zeitaufwendige Dokumentation per Hand gesetzt, ggf.
erfolgen Fotodokumentationen von Wunden (z.B. Dekubiti) im SAP-Programm.
Die Dokumentation soll so knapp wie möglich sein, aber dennoch alle
wichtigen und relevanten Informationen über den Patienten enthalten. Dies betrifft
z.B. den Allgemeinzustand, Vitalzeichen, Wundverhältnisse, Fortschritte in
der Mobilisation, Veränderungen in der Medikation und das weitere Vorgehen im
Behandlungspfad. Es ist wichtig auf den Punkt zu dokumentieren, damit die
nachfolgende Schicht bestens über den Patienten informiert ist – nur so kann eine
adäquate Versorgung ohne Unterbrechungen oder Lücken fortgeführt werden.
Falls Entlassungen von Patienten bevorstehen, sei es in ihr Pflegeheim zurück oder
in die Reha, sind Pflegeüberleitungsbögen anzufertigen und Transporte für die
Patienten zu bestellen. In diesen Bögen werden die weiterversorgenden
Einrichtungen über allgemeine Daten (Name, Geburtsdatum, Krankenkasse,
Pflegegrad, Ansprechpartner/Angehörige), die Diagnose,
Bewusstseinszustand/Orientierung, die Kommunikation (Sehstörung/Hörstörung),die
Schmerzsituation, die Bewegung (Aufstehen/Gehen/Sitzen/Gehhilfen), die
Körperpflege (uneingeschränkt selbstständig/eingeschränkt/abhängig/ Hautzustand),
die Ernährung (Ernährungszustand/selbstständig/eingeschränkt/abhängig) sowie die
Ausscheidung (Stuhl- oder Urininkontinenz) informiert. Da die Entlassung aus dem
Krankenhaus in eine Pflegeeinrichtung eine bedeutungsvolle Schnittstelle in der
Versorgung darstellt, ist es äußerst wichtig, dass eine Pflegefachkraft dabei korrekte
Angaben macht – das setzt voraus, dass sie den Patient genaustens kennt und über
seinen Verlauf in der Versorgung Bescheid weiß.Nachdem wir das Mittagessen wieder eingesammelt und dabei kontrolliert haben ob die Medikamente eingenommen wurden, versorgen wir inkontinente Patienten mit frischem Inkontinenzmaterial.

13:15 Uhr, so langsam trudelt der Spätdienst ein – bestehend aus drei Pflegekräften und ja wieder dasselbe…wenn alles gut läuft.
13:30 Uhr beginnen wir mit der Übergabe, dabei gehen wir von Zimmer zu Zimmer, machen also eine Übergabe am Bett.
14:00 Uhr geht der arbeitsreiche Frühdienst dann zu Ende. Mein Magen hängt in den
Knien, die Füße tun weh.
Kein Tag auf Station verläuft wie der Tag davor. In jedem Dienst habe ich eine hohe
Fremdverantwortung zu tragen. Ich muss Entscheidungen treffen, hohe Kompetenz
haben – denn mein Handeln hat Konsequenzen.
Das Gerüst unserer Arbeit hat sich in den letzten Jahren stark verändert, die Bedarfe
unserer Patienten nicht. Es sind unsere Angehörigen. Und jeder der sie versorgt und
pflegt, benötigt einen angemessenen Rahmen dafür.

#Pflegegehtunsallean!

Eure Maria

Ein Früdienst in der Kardiologie

Gastbeitrag Teil III

Hallo alle zusammen,

in den nächsten Einträgen werden wir unsere Tagesabläufe vorstellen. Der heutige Eintrag veranschaulicht einen Frühdienst auf einer internistischen Kardiostation, auf der Patienten zusätzlich über die Telemetrie überwacht werden können. Zur Erklärung: Eine Telemetrie ist wie ein kleines EKG, welches die Herzfunktion überwacht und dies ist auf einem Monitor im Dienstzimmer zu sehen. Um bei Auffälligkeiten direkt informiert
zu werden, trägt eine Pflegekraft einen Pager bei sich. Der Pager meldet sich bei hohen bzw. niedrigen Herzfrequenzen, beim Lösen der Elektroden, bei Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall bei einer Asystolie, also dem Herzstillstand. Auf der Station können 42 Patienten liegen.

Um 6 Uhr morgens beginnt mein Dienst. Die Station wird in drei Bereiche aufgeteilt und ich höre mir die Übergabe an. Danach bereite ich meinen Wagen für den morgendlichen Durchgang vor. Ab 6:30 Uhr gehe ich durch die Zimmer und messe Vitalzeichen. Zu diesen gehören Blutdruck, Puls, Temperatur, Sauerstoffsättigung und Blutzuckerwerte. Diese sind ein wichtiger Bestandteil der Krankenbeobachtung. Bereits kleinste Veränderungen der Vitalparameter können auf eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands hinweisen, dem dann schnellstmöglich entgegengearbeitet werden muss. Des Weiteren verteile
ich die Medikamente, hänge Infusionen an, nehme Blut ab, wiege Patienten und bereite Patienten auf Untersuchungen vor (z.B. Herzkatheteruntersuchung, Kardioversion). An diesem Morgen habe ich den Pager übernommen und musste meinen Durchgang öfter unterbrechen, um verschiedenen Alarmen nachzugehen.

Danach wird mit allen Pflegefachkräften zusammen das Frühstück verteilt, wobei die Patienten an der Bettkante oder am Tisch richtig aufgesetzt bzw. mobilisiert werden. Je nach Hilfebedarf wird das Essen vorbereitet oder angereicht.

Nachdem das Frühstück abgeräumt wurde, beginnt die Körperpflege. Diese ist wieder auf den Hilfebedarf der Patienten abgestimmt. Manche benötigen nur eine Hilfestellung in der Waschecke für den Intimbereich und die unteren Extremitäten, andere liegen im Bett und können sich nicht selbst bewegen und müssen daher von zwei Pflegefachkräften versorgt werden. Danach erfolgt die Lagerung dieser Patienten, um ein Druckgeschwür zu vermeiden.

Wenn die Grundpflege nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt, versuche ich an der Visite teilzunehmen, um mehr über meine Patienten zu erfahren und um im Austausch mit dem Arzt zu stehen (um Fragen und das weitere Vorgehen zu besprechen). Oft kann ich nicht durchgehend dabei sein, weil entweder der Pager Alarme von sich gibt, die Klingel abgelaufen werden muss oder Kollegen meine Hilfe benötigen.

Vor dem Mittagessen muss bei den Diabetikern der Blutzucker gemessen und ggf. Insulin gespritzt werden. Dann wird das Essen verteilt. Oft müssen in dieser Zeit die ersten Patienten von den Untersuchungen abgeholt werden. Danach wird eine Checkliste zum Messen der Vitalzeichen angelegt und die Kurve wird ausgearbeitet.

Die Visite ist ab diesem Zeitpunkt fertig und muss ausgearbeitet werden. Dabei muss ich mich sehr beeilen, weil die immobilen Patienten gelagert werden müssen und die Spätschicht bald auf der Matte steht. Dieser möchte man auch nicht zusätzlich Arbeit überlassen. Die Mittagszeit ist am stressigsten. Alles passiert auf einmal und die Zeit rennt einem davon, oftmals kommen noch neue Zugänge aus der Notaufnahme, um das Chaos perfekt zu machen.

Wenn alles erledigt ist, wird die Dokumentation in die Kurven geschrieben.
Die Dokumentation aller pflegerischen Maßnahmen ist sehr wichtig, weil jede Pflegefachkraft so den Pflegeprozess nachvollziehen kann und erkennt, welche Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes geführt haben. Die Datenerfassung erleichtert nicht nur die Planung der Pflegemaßnahmen, sondern auch die Arbeit der behandelnden Mediziner oder Therapeuten. Außerdem dient die Pflegedokumentation der juristischen Absicherung der Pflegefachkräfte. Danach erfolgt
die Übergabe an den Spätdienst. Der Pager wird an die nächste Person
übergeben. Mit ganz viel Glück kann ich um 14 Uhr pünktlich in die Umkleide gehen.

#pflegegehtunsallean! ,

Lara

Neue Gastbeitragsserie! – Teil I

Liebe Blog-Leser und Blog-Leserinnen,
zuerst einmal herzlich Willkommen!

Wir, das sind Lara Buchberger, Maria Maiwald und Laura Rzesacz, arbeiten alle drei in der Pflege, in unterschiedlichen Krankenhäusern und unterschiedlichen Abteilungen. Und vor gar nicht allzu langer Zeit absolvierten wir erst unser Examen.

Wir können vielleicht noch keine 20 Jahre Berufserfahrung vorweisen, doch merkten wir schnell, dass die Pflege leider nicht so angesehen wird, wie sie eigentlich im Alltag stattfindet. Es ist für die meisten gar nicht klar, dass hinter Pflege mehr als nur „Hintern abwischen“ steckt. Vielen ist nicht bewusst, dass in dem Beruf Pflege sehr viel Wissen und Können vorausgesetzt wird, um professionell pflegen zu können.

Deshalb haben wir uns zum Auftrag gemacht euch dies genau deutlich zu machen.

Was ist Pflege und was bedeutet es eine Pflegekraft zu sein?
Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen und was sind meine grundsätzlichen Aufgaben in der Pflege?
Wie findet sie im Alltag statt?
Wie muss ich handeln, wenn es zu Notfällen kommt?
Wie bin und bleibe ich eine professionelle Pflegekraft?

Mit dem heutigen Blogeintrag führen wir euch mit einer Definition an den Pflegeberuf heran. Wir wollen euch zeigen, was Pflege umfasst, worauf sie sich stützt und was genau „professionelle Pflege“ bedeutet.
Im weiteren Verlauf unseres Blogs geben wir euch einen kleinen Einblick in unseren Arbeitsalltag auf drei verschiedenen Stationen. Außerdem zeigen wir noch, was wichtig ist, damit das System Pflege im eigenen Team und in der Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen funktioniert. Wir werden euch anhand eines Fallbeispiels verdeutlichen, was es bedeutet im Notfall zu handeln. Darüber hinaus erläutern wir ein paar Tipps und Tricks, wie man als Pflegefachkraft gut durch den Arbeitsalltag kommt und nicht all die Sorgen und Probleme von Patienten nicht mit nach Hause nimmt.

„Die besondere Funktion der Krankenschwester besteht in Hilfeleistungen für den Einzelnen, ob er krank oder gesund ist, in der Durchführung jener Aktivitäten, die zur Gesundheit oder Genesung beitragen (oder zu einem friedlichen Tod), welche der Kranke selbst ohne Unterstützung vornehmen würde, wenn er über die nötige Kraft, den Willen und das Wissen verfügte. Diese Hilfeleistung hat in der Weise zu geschehen, dass der Kranke so rasch wie möglich seine Unabhängigkeit wiedererlangt.“ (Henderson 1978:10; in: Brandenburg/Dorschner 2003:37)

Unserer Meinung nach spiegelt dieses Zitat alles wieder, was wir in unserem Pflegealltag durchführen. Denn Pflege umfasst die Unterstützung sowie Begleitung von Menschen aller Altersgruppen, die ihre Lebensaktivitäten nicht mehr oder nur noch in eingeschränktem Maße dauernd oder zeitlich befristet realisieren können. Es geht auch um die selbständige Durchführung und Mitwirkung an präventiven, diagnostischen, therapeutischen und rehabilitativen Maßnahmen. Als Pflegefachkraft führen wir Beratungen, Anleitungen und Begleitungen durch. Wir sorgen für den Erhalt und der Verbesserung der Selbstpflege der Pflegebedürftigen. Nicht zu vergessen ist, dass Pflegefachkräfte sich mit der Wissenschaft zur Thematik Pflege auseinandersetzen. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden dabei an Mitpflegenden weitergegeben und die neusten wissenschaftliche Erkenntnisse sollen in den Pflegeprozess eingebaut werden. Bei all dem was Pflege umfasst, spielen verschiedene Aspekte eine große Rolle:

  • handwerklich-technische Aspekte der Pflege: Nach unserer 3-jährigen Ausbildung müssen wir unser Handwerk verstehen. Z.B. müssen wir wissen, wie Patienten aus dem Bett in den Stand mobilisiert werden oder wie ein Verbandwechsel abläuft, um Komplikationen zu vermeiden.
  • kommunikative Aspekte der Pflege: Wir müssen kommunizieren. Mit jedem Patienten und zu jeder Tätigkeit, die wir am oder mit Patienten durchführen. Wir müssen wichtige Aspekte oder Informationen erfragen, um jeden Einzelnen so gut wie möglich einschätzen zu können.
  • organisatorische Aspekte der Pflege: Wir müssen dazu in der Lage sein unsere Schicht zu organisieren, damit alle Patienten versorgt sind und damit bspw. Medikamente zum richtigen Zeitpunkt gegeben werden. Wir müssen auch organisieren, wie der Patient zu Hause versorgt wird, wenn die Entlassung erfolgt. Also müssen wir viel weiterdenken, als nur über den Zeitraum unserer Schicht.
  • institutionelle Aspekte der Pflege: Wir als Pflegefachkräfte arbeiten in Institutionen, (Krankenhäuser, Altenpflegeheime oder ambulante Dienste) in denen wir mit verschiedenen Berufsgruppen zusammenarbeiten, damit die Versorgung von Patienten vollständig gesichert ist.

Worauf stützen sich all diese oben genannten Aussagen und Aspekte? Auf den ICN Ethik Kodex für Pflegende. Dieser besagt: Gesundheit fördern, Krankheit verhüten, Gesundheit wiederherstellen, Leiden lindern!

Jetzt bleibt noch eine Frage für den heutigen Beitrag: Was ist dann „professionelle Pflege“?

Die „professionelle Pflege“ stützt sich auf eine systematisch entwickelte,
überwiegend auf Einzelfälle in der Praxis angewandte Wissensanwendung. Die professionelle Pflegefachperson kann auf der Grundlage vorhandener wissenschaftsorientierter Standards und beruflicher Erfahrungen einen Pflege- und Behandlungsbedarf diagnostizieren und die erforderliche Pflege planen, umsetzen sowie evaluieren. Die Professionalität wird durch die Fähigkeit deutlich, Erkenntnisse angemessen zu nutzen und vor allem diese flexibel einzusetzen.
Professionelle Pflege verfügt über die Fähigkeit, theoretische Kenntnisse in die Praxis umzusetzen. Auf diese Weise wird eine qualitativ
hochwertige Versorgung in Gesundheit und Pflege erreicht.
Und das ist, was wir wollen: hochwertige Versorgung unserer Patienten!

Bis bald,
Lara, Maria und Laura!

Gastbeitrag – Kompressionstherapie (Teil I)

„Kompressionsstrümpfe anziehen – dafür wird #Pflege benötigt?“

Hallo liebe Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Studierende,

wer sind wir? Wir sind Maike und Insa, beide Anfang zwanzig. Unsere Ausbildung zur examinierten #Altenpflegerin haben wir erfolgreich absolviert. Gereicht hat uns das aber nicht. Wir wollten mehr über die Hintergründe und Abläufe erfahren. Wieso ist das Gesundheitssystem so? Wie sind die Strukturen? Aus diesem Grunde haben wir beide 2017 unser #Studium „Angewandte Pflegewissenschaften“  an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfsburg begonnen. Derzeit befinden wir uns im 4. Semester. Nun fragt ihr euch sicherlich, wozu dieser Blog? Das wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat ein Video veröffentlicht, um für den #Pflegeberuf zu werben. Leider wird der #Pflegeberuf häufig falsch oder übertrieben dargestellt. Denn #Pflege ist mehr und #Pflege kann nicht jeder. #Pflege ist auch keine „Aufopferung“ oder „Herzensangelegenheit“. Natürlich wird der #Beruf mit Herz ausgeübt, dennoch ist es nicht unser Leben, sondern unsere Arbeit. #Pflege ist eine Profession.

Nun haben wir uns im Rahmen unseres Moduls „Geriatrische Pflege“ überlegt, euch zu zeigen, dass #Pflege viel mehr ist. Viel mehr als Körperpflege („Waschen“), Essen anreichen, Betreuung und „das kann doch jeder“. Wir stellen euch die medizinische Behandlungspflege als ein Teil der #professionellen Pflege vor. Es wird sich hier speziell auf die Kompressionstherapie beschränkt, die wir im #Pflegealltag aus Erfahrung am häufigsten antreffen. 

Unsere medizinische Versorgung wird praxisnah beschrieben. Der Bewohner wird mit seiner Anamnese vorgestellt. Dazu werden Vor- und Nachbereitung beschrieben und die Durchführung der Tätigkeit. Dies orientiert sich an Leitlinien und Standards in der #Pflege, die evidenzbasiert sind. Wenn ihr denkt, dass es nur „Strümpfe“ anziehen ist oder Kompressionsverband anlegen, dann irrt ihr euch gewaltig. Wir zeigen euch auf, welches Wissen dahinter steckt und worauf eine #Pflegekraft jedes Mal achtet.

Nun, viel Spaß beim Lesen!

Eure Maike und Insa

Die Professionalität der Pflege

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

beim heutigen Blogbeitrag geht es um die #Professionalität des #Pflegeberufes.

,,Pflegen heißt, alles das für einen hilfebedürftigen Menschen zu tun, was dieser selbst für sich tun würde, hätte er die Kraft, den Willen und das Wissen dazu.“ – Virginia Henderson

Diese Aussage sagt bereits viel über den Berufsstand der Pflege aus, aber schauen wir nun doch einmal genauer.

Was ist #Professionalität?
Der Begriff „Professionalität“ leitet sich aus dem lateinischen Wort „professio“ ab, was mit „Bekenntnis; Gewerbe; Beruf“ übersetzt werden kann.
Professionelles Denken und Handeln ist zweifelsohne ein unverzichtbares Element in jedem verantwortungsvollen Beruf – was den #Pflegeberuf ohne Wenn und Aber inkludiert.

Aber warum kommen immer wieder #Einwände, #Vorbehalte und #Zweifel an der Professionalität des Pflegeberufes auf?

Jeder hat als Pflegefachkraft bestimmt schon einmal den Spruch: „Das könnte ich nicht!“, gehört – oder?
Viele Menschen setzen den Pflegeberuf pauschal mit #Waschen, #für Patienten/ Bewohner da sein, #Betreuungsleistungen, Essen anreichen oder einem #Knochenjob gleich.
Die #Anerkennung für den Beruf fehlt zumeist. Welche spezifischen Anforderungen überhaupt verlangt werden, übersieht der überwiegende Teil der Gesellschaft, bzw. wird gar nicht wahrgenommen.

Der Beruf ist in der breiten Öffentlichkeit mit #Ekel und #Scham verbunden. Darüber hinaus wird er nicht mit anspruchsvollen Tätigkeiten und hoher Fachkompetenz assoziiert.
Des Weiteren erfolgt zumeist eine #geschlechtsspezifische Typisierung: ,,Ach, das ist ja eh nur ein #Frauenberuf.“
Zusätzlich erhält das Motto #Pflegenkannjeder eine politische Unterstützung, z.B. durch das Herabsetzen des Mindestabschlusses für die Ausbildung oder dem Einsatz von ungelernten Leuten als Pflegehelfer. Laut politischer Aussagen und der Gesellschafft handelt es sich nur um ein #Helfer-Beruf, welcher der #Medizin untergestellt, bzw. aus #Liebe oder #Idealisierung ausgeübt wird. Erst bei persönlicher Konfrontation mit der Pflege wird sicherer und differenzierter geurteilt.

Das #Pflege eine #Profession darstellt, die über viel Wissen verfügt, scheint zuerst als völlig abwegig in der Gesellschaft.
Aspekte der Gesundheit und Krankheit sind Kernthemen der heutigen Gesellschaft, gerade im Hinblick auf die stetigen Änderungsprozesse im Struktur- und Wertewandel.
Pflegefachkräfte garantieren zum größten Teil die gesundheitliche Versorgung und damit die #sozialeAbsicherung.
Das Menschen mit einer Pflegebedürftigkeit auf professionelle Hilfe unter #Wahrung der Autonomie und #Menschenwürde angewiesen sind, erscheint als unerlässlich und ist von essentieller Bedeutung.

#ProfessionellePflege inkludiert #Regelwissen, gelernte Erfahrung, #pflegewissenschaftlichesWissen und individuelles Fallverstehen einzelner Pflegefachpersonen.
#Pflege beruht auf #Forschungsarbeiten als auch auf #Expertenstandards. Die #Integration von #Bezugswissenschaften ist unerlässlich.

Pflege lebt von #Evidenz.

#Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist ein Grundelement – Pflege kann nicht abgrenzt von anderen Disziplinen stehen.
Pflege besitzt eine eigene #Berufsethik und muss in Deutschland als akademischer #Expertenberuf eine Anerkennung finden.

Die Zeit der händchenhaltende „Schwester“ darf es nicht mehr geben!

Über #Empathie muss jede Pflegefachkraft verfügen, um in einem Pflegeberuf arbeiten zu können. Jedoch sollte diese Voraussetzung nicht die einzige sein!
Nicht die Mitmenschlichkeit soll die Ursache dafür sein, dass die #Zugangsvoraussetzungen für die Pflegeberufe heruntersetzt werden. Und das trotz ständig wachsenden #Fachkräftemangel.

Es müssen diverse Änderungen im Verständnis, in der Organisation sowie in der Ausübung der Pflege stattfinden.
Das kann nur durch #Optimierung der Rahmenbedingungen für die Pflege seitens der #Politik geschehen. Das würde weitere qualitativen Einbußen im pflegerischen Handeln verhindern.
Eine #qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten ist nur durch eine #fundierte Ausbildung möglich.

Solange die Pflege ihren Wert nicht anerkennt, wird dies auch für andere schwer!

Pflegekräfte müssen für ihren Status quo kämpfen, den eigenen Wert erkennen und ihn entsprechend nach außen kommunizieren.
Nur so kann die ICN- Definition von Pflege erfüllt werden – welche lautet:

„Pflege umfasst die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen, von Familien oder Lebensgemeinschaften, sowie von Gruppen und sozialen Gemeinschaften, ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen (Settings). Pflege schließt die Förderung der Gesundheit, Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen ein. Weitere Schlüsselaufgaben der Pflege sind Wahrnehmung der Interessen und Bedürfnisse (Advocacy), Förderung einer sicheren Umgebung, Forschung, Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik sowie im Management des Gesundheitswesens und in der Bildung.“